Japan-News #04 – Exoskelette für Senioren

Diese Japan-News ist mal etwas ausführlicher:

Heute geht es um das Alter in Japan. Folgenden 5-minütigen Bericht vom ZDF habe ich auf Facebook gefunden:

Wehe, ihr schaut das Video nicht, ich such das extra für euch raus ^^ ! Zur Sicherheit, oder zur Betonung aber nochmal ein paar Fakten aus dem Video:

  • 25% aller Japaner sind über 65 Jahre alt
  • 80% aller Japaner haben bei einer Umfrage angegeben, auch noch im Rentenalter weiterarbeiten zu wollen

Zieht euch das mal rein! Ich meine, ich habe keine vergleichbare Umfrage aus Deutschland, aber das muss doch von einer starken Verzweiflung oder Geldnot zeugen, wenn 80% aussagen, auch in der Rente noch arbeiten zu „wollen“, denn von „wollen“ kann ja nicht wirklich die Rede sein.

Gut, vielleicht sind hier auch ein paar oder sogar einige dabei, die das nicht aus Geldnot sagen, sondern aus Pflichtgefühl der Gesellschaft gegenüber. Das kann ich mir zwar so denken von dem, was ich bisher über den Großteil der japanischen Mentalität gelesen habe, aber sicher ist es natürlich nicht.

Aus einem andere Bericht weiß ich noch, dass in Japan mehr Windeln für Senioren als für Babys gekauft werden. Jugendliche scheinen immer seltener auf eine Familie „hinarbeiten“ zu wollen, da Dating und eine eventuell folgende feste Beziehung zu anstrengend sind. Sie arbeiten lieber auf einen guten Job hin, und bleiben Single. Darunter leidet natürlich die Geburtenrate.

Was für die Landwirtschaft erschwerend hinzukommt, ist dass das Leben auf dem Land immer unattraktiver werden soll, und es die jungen Leute nur noch in die Großstadt zieht. Davon bekommt man natürlich auch keine besseren, effizienteren Ernten, wie auch im Bericht gesagt wird. Dass Japan offenbar noch nicht mal saisonale Einwanderer für die Ernte erlaubt, ist unverständlich für mich. Gut, ich war selber noch nie in der Politik tätig und werde das auch wohl nie sein, von außen lässt sich das immer leicht sagen… In Deutschland läuft ja auch nicht alles toll. Aber da muss man doch mal was gegen tun! (Plattitüde Ende)

Dem entgegen stellen möchte ich trotzdem eine wichtige Aussage, an die ich mich immer noch regelmäßig erinnere, von dem Japaner Keiji-san, den mein Freund und ich bei unserem Japan-Urlaub in einer Bar in Tokyo trafen: „You know, Tokyo is not Japan“. Dies war seine Antwort auf meine Frage, ob gewisse Dinge denn wirklich so seien, wie ich sie nur aus Berichten kenne: Massig Überstunden, totale übermäßige Loyalität zum Arbeitgeber, zu wenig Pärchen, zu viel Drill auf beruflichen Erfolg.

Tokyo ist nicht „ganz Japan“. Es mag ein großer, ein riesiger Teil sein, und zudem ein Teil, auf den viele Leute von außerhalb schauen und sich nach ihm richten, die dorthin wollen. Aber es gibt auch viele Menschen, die nicht dort wohnen und nicht in der Großstadt „versinken“. Doch: Sind das „genug“ Menschen, um die Geburtenrate, die Arbeitsplatzverteilung im Bezug auf das Alter usw. auszugleichen?

Die Zeit wird es zeigen. Machen können wir von außen, als Nicht-Politiker, eh nix. Aber ich finde es ein gutes Thema und hoffe, dass viele von euch sich für die sozialen und wirtschaftlichen Themen Japans interessieren, auch wenn das mal nichts mit Animes zu tun hat 😉 .

Man lernt ja auch nie aus, und ich finde es schön, wenn ich euch für „Mehr“ an Japan interessieren kann 🙂 . Sagt mir gerne, ob’s funktioniert…!

Aeris

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Über Aeris

Ich bin die Aeris, Autorin von Ramen-chan, und begeisterter Naruto-Fan! :)

10 Kommentare zu “Japan-News #04 – Exoskelette für Senioren

  1. Wundern tut mich das jetzt nicht. Der Politik scheinen Senioren ja größtenteils egal zu seien. „Geld in Senioren zu stecken ist wie vertrocknete Blumen zu gießen“ Sowas und ähnliche Aussagen höre ich immer wieder über Senioren aus der japanischen Politik.
    Viele Japaner fangen ja von Anfang an an für das Alter Geld zu sparen und beiseite zu legen. Haben die überhaupt so etwas wie ein Rentensystem? Kommt mir nämlich nicht so vor…

    Das mit der hohen Single-rate interessiert mich. Dass das wegen der Begründung „zu anstrengend“ ist, hast du das irgendwo gelesen, oder ist das deine Vermutung? Weil ich habe eher von anderen Gründen gehört wie der vielen Arbeit, der wenigen Zeit und der zurückhaltenden, schüchternen Mentalität. Ich würde schätzen, dass es eher viele Japaner gibt, die sich einen Partner wünschen würden, aber halt aus mehreren Gründen nicht können. Aber ich kann es halt auch nicht genau sagen.

  2. Aeris sagt:

    Ja, Japan hat eine staatliche Rente. Aber das haben wir ja auch, und trotzdem bringt die (angeblich) nicht genug, sodass man privat für die Rente sparen sollte (mache ich auch).

    Zur Single-Rate: Das hab ich häufiger gelesen/gesehen. Hier zwei Dokus, die eine sehr lang, die andere 13 Minuten:

    The Great Happiness Space: https://www.youtube.com/watch?v=Q-eogVXEQBE
    Über 1-stündige Doku über Host Boys in Japan.

    The Japanese Love Industry: https://www.youtube.com/watch?v=qpZbu7J7UL4

    Bei der 1-Stündigen sollte man schon konzentriert dabei bleiben, sonst verpasst man ein paar Kern-Momente vielleicht oder findet diese Aussage nicht.

    „Zu anstrengend“ war quasi die von mir gewählte Abkürzung für genau das, was du geschrieben hast: Zu anstrengend weil Schüchternheit überwunden werden muss, Arbeit, etc.. Und wenn es dann Ausweichangebote gibt (siehe Dokus), um selbst Dating in Bars oder Kuscheln zu ersetzen, dann weiß ich noch nicht mal, ob man den Kunden dieser Services die „Schuld“ geben kann, und ob nicht eher die Anbieter „schuld sind“ 😦 .

  3. mergwi sagt:

    Japan hat die höchste Staatsverschuldung der Welt. Und sie bekämpfen ihr Problem indem sie immer neue Schulden aufnehmen, und Geld „aus dem Nichts“ auf die Märkte blasen. Das führt zu einer Verschuldungsspirale und langfristig zu einer Inflation. Das bedeutet dass der Staat einerseits immer neue Steuern erfinden muss um seine Schulden zu begleichen. Andererseits ist die Rente kaum was Wert, wegen der Inflation. Die Aktienmärkte steigen jedoch durch das immer neue Geld, und wer sein Geld anlegt kann dieses schnell vermehren. Das ist der Grund warum die Schere zwischen Arm und Reich grade in Japan sehr weit auseinander liegt. In Japan ist dieses Phänomen besonders schlimm, das Problem haben wir aber überall auf der Welt.

    Nur um es mal zu verdeutlichen. Bei der Zentralbank können sich Banken nur Bargeld besorgen. Bargeld macht aber etwa 0,5% der gesamten Geldmenge aus. Der Rest des Geldes steckt zum Großteil in irgendwelche Derivate, also irgenwelche Finanzkonstrukte die kein Mensch versteht und die vermutlich keinen echten Wert haben, also eine riesige Spekulationsblase. Diese Blase platzt in den Moment, wo kein frisches Geld mehr in den Markt geblasen wird. Die Märkte sind von Geld abhängig und berauchen exponential immer mehr. Man verdient in spekulativen Märkten mehr Geld verdient, als wenn man das Geld in die Realwirtschaft investiert. Deshalb haben wir zZ eine Deflation obwohl immer mehr Geld in Umlauf kommt. Aber die Blase wird irgendwann platzen, und wenn das Geld von den spekulativen Märkten in die Realwirtschaft fließt, haben wir über Nacht eine Hyperinflation. Deshalb würde keine Rente abschließen, schon gar nicht wenn man unter 40 ist. Das Geld auf dem Konto, oder auch die Rente ist nicht mehr als ein Versprechen. Lieber in Sachwerte investieren.

  4. mergwi sagt:

    Ah ich hab noch was vergessen. Die anderen 99,5% entstehen durch Giralgeldschöpfung. Das heißt wenn jemand einen Kredit bei der Bank aufnimmt, schreiben die Banken das einfach in ihrer Bilanz rein, obwohl sie es vorher nicht hatten. So entsteht Geld aus dem nichts. Das geht solange gut, bis Kredite ausfallen oder viele Menschen ihr Geld wieder zurück haben wollen.

  5. Aeris sagt:

    ………..
    Wow, du verstehst da echt was von, wa‘? Arbeitest du in dem Bereich?
    Aber dein letztes Beispiel: Wenn ich nen Kredit aufnehme und die Bank das einfach in ihre Bilanz reinschreibt, ohne dass sie das Geld hat, woher kommen denn dann die x€, die sie mir bar auf die Kralle geben/überweisen??

  6. therealbrain sagt:

    Also wenn die Bank 1Mio Bargeld haben möchte, dann kauft sie sich das Bargeld bei der EZB zu dem Leitzinssatz (aktuell 0,1% oder so). Die EZB prüft ob die Bedingungen erfüllt sind, also ob die Bank 1,01 Mio an Papierwerte hat und die Mindestreserve erfüllt. Dann kriegt die Bank ihr Bargeld und die Werte der Bank werden bei der EZB hinterlegt. So ungefähr läuft das ab, mein ich. Ich bin nämlich kein Ökonom, sondern Wirtschaftspychologe. Also Bargeld macht die EZB, Giralgeld macht die Bank.

    Das Geld auf dem Konto ist streng genommen ein Kredit an die Bank. Und die Bank verspricht dir jederzeit das Geld in Bargeld umzutauschen. Geld wandert ja meistens nur von ein Konto auf ein anderes, deshalb ist wenig Bargeld im Umlauf. Würden nur 5% der Menschen ihr Geld gleichzeitig abheben, käme die Bank in Zahlungsschwierigkeiten, weil sie dafür nicht genug Bargeld hat.

    Ansich ist das System wie Bargeld geschöpft wird relativ vernünftig und gerecht. Nur leider ist Bargeld ein winziger Teil des gesamten Geldes.

    Das Finanzsystem ist total spannend. Ich klicke mich da surch Youtube und Google. Es ist schon erstaunlich, dass man darüber nichts in der Schule lernt, und kein normaler Mensch die wichtigsten Köpfe der Wall Street kennt. Die operieren immer nach dem gleichen Prinzip. Man versucht Staaten in die Schuldenfalle rein zu bringen. Man setzt diese mit einer Zinsknechtschafft unter Druck und versucht an die natürlichen Ressourcen des Landes zu kommen. Am besten man schafft sich dann auch noch Monopole. Der IWF verteilt beispielsweise großzügig Kredite an Entwicklungsländer ohne genau hinzugucken wohin das Geld eigentlich wandert. Dann klopfen die sich auf die Schultern, weil sie den Armen ja ach so schön helfen. Und 10 Jahre später gehören denen sämtliche Minen des Landes. Und über komplizierte weltweite Unternehmensbeteiligungen, sparen sie nicht nur ihre Steuern sondern verschleiern auch die wahren Eigentümer. Die 148 größten Unternehmen besitzen 40% des weltweiten Vermögens.

  7. Aeris sagt:

    Ah, achso, wenn ich mir 100.000 leihe, um ein Haus zu bauen. dann wandert das geliehene Geld von meinem Konto ja auch wieder nur zur Baufirma auf dem Konto, anstatt in Bar. Kk.
    Ja ja, so ein bisschen was davon könnte man schon mal in der Schule lernen…

  8. Ich finde das wahnsinnig interessant! Gibt es da bestimmte Seiten oder Youtube-Videos, wo man mehr darüber erfahren kann?

    „Die 148 größten Unternehmen besitzen 40% des weltweiten Vermögens.“

    Besonders über solche Unternehmen und deren Vorgehen, so wie du es beschrieben hast, würden mich interessieren!

  9. mergwi sagt:

    Ich empfehle als Einstieg dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=AyfqGmH_5k4 Es geht hier um eine Veranschaulichung wie das Geld entstanden ist. Das Video ist nicht neutral und auch sehr vereinfachend, ich halte es aber für sehr nah an der Wahrheit. Dieser Text schafft nochmal Klarheiten über Details: http://www.cashkurs.com/kategorie/wissen/beitrag/die-beliebtesten-irrtuemer-rund-ums-geld-teil-1-von-helmut-reinhardt/

    Von Dirk Müller halte ich viel. Hier ein Interview: https://www.youtube.com/watch?v=WTW49tr-mNE Ich habe auch Cashkurs abonniert. http://www.cashkurs.com

    Hans Werner Sinn über das Ausmaß der Verschuldung allein in Deutschland https://www.youtube.com/watch?v=cdZySOtG_28

    Hier ein Artikel, darüber dass 147 Unternehmen 40% des Vermögens haben: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft–kontrollieren-/story/24530287 und hier die Originalstudie: http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v2.pdf

    Hier ein paar Videos zum Thema Verstrickung der Banken in der Politik: https://www.youtube.com/watch?v=XXLlrd5dKQc Ich habe auch noch im Kopf wie sich Sven Giegold (Abgeordneter EU-Parlament von den Grünen) immer beschwert wie viele Lobbyisten versuchen die Politik in Brüssel zu beeinflussen. Giegold setzt sich für die Finanztransaktionssteuer ein, aber auch dafür dass die Gebühren begrenzt werden, wenn man mit der EC-Karte bezahlt. Deshalb hier ein Video zum Lobbyismus: https://www.youtube.com/watch?v=dWp9PM6yzZM

    Hier noch ein Buch darüber wie die FED entstanden ist (Die Kreatur von Jekyll Island). Wenn das alles stimmt was in dem Buch steht, ist das ein gewaltiger Sprengstoff. Denn es gibt dann enge Verbindungen von den Rothschilds zu den Wall Street Banken. Und es wird angedeutet, dass Banken ganz wesentliche Rollen in den Kriegen der letzten 300 Jahre gespielt haben. Ninjason hat ja Geschichte studiert, deshalb würde mich seine Meinung mal interessieren: https://www.uploady.com/#!/download/3hkc0dNwUew/W~meLlI6dKWPU_pi

    Hier noch ein paar interessante Videos:
    Quarks und Co Geld regiert: https://www.youtube.com/watch?v=lZ1fgt4Bv0k
    Planet Wissen: https://www.youtube.com/watch?v=M4LI3_tfteA
    Andreas Clauss: https://www.youtube.com/watch?v=Hop2sNvZAz8
    Andreas Popp: http://www.wissensmanufaktur.net

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