Sleeping Lion Heart – Prolog bis Kapitel 3

Dies ist eine Fan-Fiction zu Final Fantasy VIII, die ich… man staune… 2001 geschrieben habe. Sie ist vollständig und wird stückweise hier veröffentlicht, um euch nicht mit dem ganzen Batzen auf einmal zu erschlagen.

Viel Spaß beim Lesen!

Sleeping Lion Heart


When the fairies fly
And the children cry

I know why I’m sitting here
When the dew gleams bright
I just might leave this place
For something better

Ashley (eine “ganz normale” Amerikanerin)

Prolog

Squall tauchte in einer Wüste auf. Der Himmel war mit dunklen Wolken verhangen. Risse traten im Boden auf. Die Wolken waren unheimlich dunkel. Vielmehr kam es Squall so vor, als ob es eine einzige Wolke sei. Wo war er?

Er machte sich auf den Weg. Die Wüste schien endlos zu sein, doch er setzte einen Fuß vor den anderen. Er ging weiter. Viele Schritte, doch es kam ihm so vor, als ob er überhaupt nicht weiterkäme.

Er fing an, unkontrolliert über den Wüstenboden zu schlurfen. Das Schlurfen ging in eine Art Taumeln über. Seine Kraft verließ ihn. Er konnte seine Umgebung nicht mehr klar wahrnehmen. Wo war er? Wohin sollte er gehen? Er konnte nicht mehr, die Kraft in ihm schwand dahin. Dann sah er auf. Die Wüste hatte sich verändert. Die Wolken waren nun nicht mehr schwarz, sie wurden in ein tiefes Blau getaucht. Er hatte nicht mehr das Gefühl, auf Sand zu laufen, sondern auf Gestein. Taumelnd ging er weiter.

Dann stoppte er abrupt. Vor seinen Füßen tat sich ein gähnender Abgrund auf. Totales Nichts. Nur die blauen Wolken.

Er drehte sich um. Langsam. Er wollte die Wüste betrachten, aus der er gekommen war, aber er sah nur das andere Ende des Felsbrockens, auf dem er stand. Sein Gesicht zeigte Trauer, Enttäuschung und Schmerz. Aber daneben konnte man noch etwas Anderes lesen: auf seinem Gesicht spiegelte sich Unlust, ja fast Akzeptanz.

Er ließ sich fallen. Er saß nun auf dem Gesteinsbrocken und ließ verlassen den Kopf hängen.

Irgendetwas bewegte ihn dazu, den Kopf zu heben. Er sah in den wolkenverhangenen Himmel. Und entdeckte einen kleinen, schimmernden Punkt. Er bewegte sich auf ihn zu, schwebte aber immer mal wieder von der einen Seite zur anderen. Dann kam er näher an Squall heran.

Es war eine Feder. Sie leuchtete weiß.

Nun war sie ganz nah. Squall öffnete die Hand. Die Feder legte sich in diese. Dann schloss er die Hand fest.

Auf einmal regte sich etwas in ihm. Er sah Rinoa, wie sie auf der Blumenwiese bei Edeas Haus stand. Der Himmel war herrlich gelb-orange. Rinoa kehrte Squall den Rücken zu. Er rief ihren Namen zweimal.

Dann drehte sie sich um. Doch bevor sie ihn ganz ansehen konnte, verschwamm Rinoas Antlitz vor Squalls Augen.

Erinnerungen.

Der Ballsaal. Rinoa hob ihre Hand vor ihren Mund. Sie wollte ihm sagen: Psst! Verrate es keinem. Die Sternschnuppe ist unser Geheimnis. Doch sie wurde unscharf. Die Konturen verblassten, sie verschwamm langsam mit dem Hintergrund. Und wieder. Rinoa hob ihre Hand vor den Mund. Die Konturen verschwammen.

Damals.

Als Rinoa von Edea bei deren Parade betäubt wurde. Sie wäre fast von zwei Schmelkes aufgefressen worden. Wieder waren ihre Konturen unscharf, verschwammen mit dem Hintergrund.

Cifer.

Im All.

Squall hatte sie gerettet. Ihre Kette. Rinoas silberner Ring, Squalls Ring mit dem kleinen Löwen darauf, Griever.

Damals.

Bei der Parade, nach dem Kampf mit Edea. Sie hatte einen gefährlichen Eiszauber gesprochen. Squall wurde getroffen und fiel von dem Wagen. Nun sah er Rinoa, unklar, wie sie ihm – seinen Namen schreiend – hinterher sah.

Dollet.

Die riesige Roboterspinne, X-ATM092. Sie war hinter Squall her, hätte ihn fast gekriegt.

Irvine.

Selphie.

Xell.

Quistis.

Rinoa. Am Balkon im Balamb Garden. Der Wind spielte mit ihrem Haar und wollte es wegreißen. Sie lächelte.

Wo bin ich? Was geschieht mit mir? schrie Squall stumm in seine Erinnerungen hinein.

Durch den Triumph-Bogen in Deling City, zum Ballsaal. Das bis eben so hektische Bild wurde ruhig. Er konnte kurz verschnaufen.

Rinoa stand vor ihm in ihrem Ballkleid.

Was passiert?

Sie senkte ihren Arm. Kam auf ihn zu. Forderte ihn zum Tanz auf. Zurück. Sie senkte wieder ihren Arm, kam auf ihn zu. Noch einmal. Sie kam auf ihn zu, wieder kam sie auf ihn zu, wieder und wieder.

Was ist das??? Dann verstand er. Artemisia hatte gesagt, dass die Zeitkomprimierung ihre Gedanken zerfetzen würde. Zerschlagen, zerstört. War es das, was sich vor Squalls Augen abspielte?

Rinoa tanzte mit ihm. Drehte sich, bewegte sich. Alles drehte sich um ihn herum. Es schien nie zu enden.

Dann sah er Cifer. Seine Augen. Rinoas Augen.

Artemisia tauchte kurz in seinen Erinnerungen auf. Wieder Cifer, Rinoa. Es drehte sich zu schnell. Seine Gedanken waren zu schnell.

Dann hörte es auf.

Rinoa sollte eigentlich versiegelt werden, doch Squall hatte sie wieder gerettet. Er hatte die Glaskuppel zerstört. Rinoa fiel aus der Kuppel heraus, wollte in seine Arme fallen. Doch jetzt – sie zerriss. Unschärfe, Verschwommenheit. Sie war nicht mehr da.

Die Schutzscheibe von Rinoas Raumanzug zerbrach. Ihre Kette schwebte vor ihrem Gesicht.

Dann erwachte Squall aus seiner Trance. Er riss die Augen weit auf. Lautlos schrie er auf.

Und die Feder fiel langsam zu Boden.

Kapitel 1

Das war damals. Während der Zeitkomprimierung.

Squall hatte versucht, es Rinoa zu beschreiben. Aber sie interessierte es gar nicht mehr. Sie standen auf dem Balkon des Balamb Garden. Hinter ihnen spielte sich die Feier zur Vernichtung Artemisias ab. Musik und Wortfetzen drangen an Rinoas Ohren. Für eine lange Zeit standen Squall und Rinoa nur nebeneinander und betrachteten den Himmel.

Der Himmel war wolkenlos und sternenklar. Rinoa konnte sich an diesem Himmel nicht satt sehen. Er war so friedlich und so wunderschön.

Plötzlich entdeckte sie eine Sternschnuppe. Sie war genau so schön wie damals, als sie Squall das erste Mal gesehen hatte, auf dem Abschlussball.

Rinoa drehte sich zu Squall um und hob ihren Zeigefinger vor ihren Mund. Psst! Verrate es keinem. Die Sternschnuppe ist unser Geheimnis.

Zu ihrer eigenen Verwunderung lächelte Squall sie nun an und näherte sich ihr. Er ergriff ihre Hand und umschlang ihre Taille mit der anderen.

Für den Bruchteil einer Sekunde musste Rinoa innerlich lachen. Diese Szene war amüsant. Obwohl sie den bevorstehenden Kuss erwidern wollte, war es doch seltsam, dass er von Squall ausging. Wenn man bedachte, wie er sich früher verhalten hatte. Er ging solchen Situationen gerne aus dem Weg. Zum Beispiel in der Ragnarok, die ihre Rettung nach dem Vorfall in der Lunarside Basis war. Rinoa wollte ihn umarmen, weil davor der Raumanzug im Weg war, doch er wich ihr aus und sagte, dass die momentane Situation dies nicht zuließ. Und als sie das Raumschiff gesäubert hatten und Rinoa und Squall auf dem Heimweg waren, befahl er ihr zweimal, sich auf ihren Platz zu setzen, doch sie wollte in seinen Armen liegen. Sie wünschte sich nichts sehnlicher. Sie mochte seine Nähe. Mochte seinen Geruch und seine Berührungen. Sie hatte vor Glück geweint, als er sie aus der Glaskuppel im Hexenmausoleum befreit hatte. Sie genoss jede Sekunde mit ihm.

Und diesen Moment genoss sie noch mehr. Sanft zog er sie an sich ran. Rinoa legte ihren Kopf schief und legte ihre Lippen in die seinen. Der Kuss war zärtlich und gefühlvoll. Mit geschlossenen Augen schmolz sie beinahe in seinen Armen dahin. Ihre freie Hand bewegte sich zu seinem Nacken. Sie strich ihm über den Rücken, glitt mit ihren Fingern durch die Federn an seiner Jacke und wanderte dann zu seinen Haaren.

Dann hörte der Kuss auf und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich bin so froh, dass du da bist.“

Das habe ich alles dir zu verdanken. Du hast mich aus der Zeitkomprimierung gerettet. Ich danke dir dafür, dass ich jetzt hier stehen kann, Rinoa.“, entgegnete Squall leise.

Rinoa schmunzelte. „Tja, mir war einfach danach!“

Squall schob sie von sich weg und sah ihr grinsend in die Augen. „Hey, das ist doch mein Spruch!“

Ich weiß. So gleichgültig wie du habe ich zwar nicht geklungen, aber wenn man es ein bisschen anders ausdrückt, war es das, was ich sagen wollte.“

Squall zog sie wieder an sich ran. Aus dem Ballsaal erklang gerade ein Walzer.

Leise flüsterte Squall: „Das was du kannst, kann ich schon lange.“ Er räusperte sich kurz und sagte dann: „Hey, magst du mit mir tanzen?“

Rinoa lachte nun laut auf. Sie erinnerte sich, wie sie ihn damals aufgefordert hatte. Aber da fehlte etwas. „Mensch, du hast was vergessen! Du musst doch zuerst sagen ‘Du siehst am coolsten aus!’ “

Squall fing nun an, sich leicht im Takt zu bewegen. „Ach so. Aber ‘am coolsten’ passt da ja wohl nicht!“

Aha?“, antwortete Rinoa. „Was musst du denn dann sagen?“

Hmmm. Wie wär’s mit ‘Du siehst am bezauberndsten aus.’?“

Guck mich nicht so an! Ich darf nichts sagen, ich darf nur an meinem Glas nippen.“, lachte Rinoa.

Ach ja, das hatte ich vergessen. Was kommt jetzt? Ach so. Du bist wohl eine von denen, die nur tanzen wenn ihnen ein Junge richtig gut gefällt??“ Squall schob Rinoa wieder von sich weg und hielt ihr beschwörend die Hand vor die Augen. „Du wirst…“ Jetzt drehte er die Hand vor ihrem Gesicht. „Mich mögen, mich mööögen.“ Dann lachten beide still auf und bewegten sich wieder leicht im Takt der Musik. „Immer noch nicht?“, fragte Squall.

Eine überflüssige Frage, Mister Leonhart. Ich hab dich schon immer gemocht. Gleich von Anfang an.“ Sie kicherte in seine Jacke hinein. „Am niedlichsten war ja, wie du getanzt hast! Du hast immer so hilflos in der Gegend rumgeguckt und wusstest nicht, wohin mit deinen Füßen! Dein Blick, du warst so unsicher!“

Ja ja, erinnere mich bitte nicht daran! Ich meine, ich hab davor noch nie getanzt, und ich war ja so schon genug abgelenkt.“, sagte Squall.

Hmm? Wieso?“ Rinoa runzelte die Stirn.

Naja, wenn man so ein hübsches Mädchen vor sich hat, kann man da schon mal nicht ganz bei der Sache sein.“, verkündete Squall.

Lautlos lachte Rinoa, sodass Squall es nicht bemerkte. „Naja, aber am Ende konntest du es doch ganz gut. Sogar sehr gut.“

Echt? Naja, es ist einfach so über mich gekommen.“

Nach einer ganz kurzen Pause sagten beide gleichzeitig: „Mir war einfach danach!“ Beide lachten wieder. Jetzt war es Rinoa, die Squall von sich weg schob. „Weißt du was? Ich glaube, ich bin drauf und dran, mich…“

Das Bellen von Angel kam ihnen dazwischen. Bis jetzt hatte Quistis sie noch zurückgehalten, doch dann entkam Angel ihrem Griff und stürmte auf ihre Besitzerin zu. Entschuldigend lachte diese Squall an und hockte sich dann vor Angel hin. Die Mischlingshündin ließ sich genüsslich von dem jungen Mädchen streicheln.

Squall legte seine Hand auf Rinoas Schulter und sprach ihr im Gehen zu: „Ich geh mal kurz zu Mama.“ Rinoa nickte kurz.

Squall ging durch den Ballsaal und sah sich um. Alle tanzten, lachten und unterhielten sich ausgiebig. Das Fest war ja auch ein guter Anlass dafür.

Auf einmal wurde er fast von jemandem überrannt.

Ach, Irvine! Pass doch mal auf, wo du hinläufst!“, ärgerte sich Squall.

Sorry, Squall. Aber ich wollte dich sowieso mal was fragen.“, entgegnete der Frauenheld jetzt grinsend und eine Augenbraue hebend. „Und, wie war’s?“

Wie war was?“, fragte Squall genervt zurück.

Jetzt tu doch nicht so! Ich hab genau gesehen, dass Rinoa und du auf dem Balkon wart. Alleine! Ich hab’s gefi-hilmt!“, verkündete Irvine stolz.

Was??? Du hast gefilmt, wie wir uns geküsst haben???“, fuhr Squall ihn an.

Ach so ist das!? Geküsst habt ihr euch? Das wusste ich gar nicht!“

Nein, so ein Mist! Jetzt war es Squall doch glatt rausgerutscht!

Irvine grinste nur.

Das geht dich überhaupt nichts an!“, sagte Squall und ging an Irvine vorbei. Dieser grinste immer noch und sagte leise zu sich selbst. „Er ist immer noch der Gleiche!“

Kapitel 2

Squall ärgerte sich immer noch, dass es ihm so einfach rausgerutscht war. Aber überhaupt, was geht das die Anderen an? Nichts. Sollten die ihn doch einfach in Ruhe lassen und ihn seinen Kram machen lassen.

Dann ging er zu Edea und Cid. Die beiden standen nebeneinander am Ausgang und unterhielten sich mit Xell. Dieser bemerkte ihn als Erster und rief quer durch den Saal: „Yo, Squall!“

Schrei doch nicht so, Xell!“, ermahnte Squall. „Hallo Direktor Cid, hallo Mama!“

Hallo Squall. Wie geht es ihnen?“, fragte Cid. „Die Feier ist gut gelungen.“

Ja, das finde ich auch, Squall.“, bestätigte Edea.

Xell sah Cid enttäuscht an. „Was, nur die Feier ist gut gelungen? Also unsere Leistung war doch viel besser! Wir haben dieser Artemisia doch richtig in den Hintern getreten. Bam! Mit meinem Different Beat hab ich sie voll fertig gemacht.“ Xell machte dabei Trockenübungen im Faustkämpfen und schlug wie wild um sich.

Mann, Xell! Beruhig dich mal, du brauchst hier nicht den Affen zu machen!“, tadelte ihn Squall wieder. Doch nun war Xell verärgert und beleidigt. Aber Squall reagierte nicht weiter auf ihn.

Wie läuft das Waisenhaus, Mama?“, fragte Squall.

Ja, es sind zwar nicht so viele Kinder da wie damals bei euch, und es ist auch nicht so anstrengend, weil man keine zwei kleinen Raufbolde da hat“, sie sah Xell eindringlich an, „aber auch so ist es schön! Kommt mich doch mal wieder besuchen!“, schlug Edea vor.

Mich? Du meinst uns!“, verbesserte Cid scherzhaft und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.

Auch Squall lachte leicht – nur leicht – und antwortete: „Ja, gerne.“

Hallo Leeeeeuuuuuuuuteeeeeeeee!“, drang eine quäkige Stimme von hinten heran. Selphie lief, in der einen Hand Irvines Hut schwingend und mit der anderen bei Irvine eingehakt auf die Vier zu. Irvine hatte dabei sichtlich Probleme, mit Selphies seltsamen Hüpftakt mitzuhalten. „Naaaa, worüber reeeeedet ihr?“

Edea hat gerade vorgeschlagen, dass wir sie alle doch mal wieder besuchen könnten.“, verkündete Xell.

Jaaaa, eine guuuuute Idee!“, bekräftigte Selphie.

Ja, finde ich auch“, steuerte Irvine bei. „Warum nicht gleich morgen?“

Alle sahen Squall an. Eine bekannte Situation. „Ja, warum nicht? Ich bin einverstanden.“

Jiipiiiiieeeh!!!“, rief Selphie klatschend.

Ich werde es Rinoa und Quistis erzählen.“ Squall verschwand in Richtung Balkon. Dort sah er schon von weitem Rinoa und Quistis stehen und sich unterhalten. Langsam schlich er sich an die Steinwand heran und sah um die Ecke gebeugt den beiden Mädchen zu. Er lauschte angestrengt.

…ja himmlisch!“ Das war Quistis.

Ja, so ist es wirklich. Das hätte ich selbst nie gedacht.“ Rinoas Stimme. So weich und hell…

Meinst du ich? Ich als Squall-Expertin hab das eigentlich schon von Anfang an abgeschrieben. Dass er den ersten – bedeutsamen – Schritt macht!“

Rinoa, du Plappermaul! Musstest du ihr das denn gleich erzählen?, dachte Squall. Tja, das ist wohl typisch bei Mädchen.

Genauso wie ich eine andere Sache von Anfang an abgeschrieben habe.“, sprach Quistis weiter.

Meinst du…“ Rinoa war sich ziemlich sicher, dass sie wusste, was Quistis meinte.

Ja. Ich wusste es vom ersten Moment an. Als ich euch das erste Mal nebeneinander stehen sah, war es mir klar. Ihr gehört zusammen.“ Quistis ließ ihren Kopf kurz sinken, hob ihn dann aber gleich. Sie schniefte kurz, fing sich dann aber wieder.

Hey, Quistis!“, tröstete Rinoa sie. „Ich… also…“

Nein, nein. Du musst nichts sagen. Ich verstehe das schon. Ich bin auch nicht sauer auf dich, oder so. Es ist, wie es ist. Es soll eben nicht sein. Wer weiß, vielleicht wartet ein Anderer auf mich.“, sagte Quistis wenig überzeugend.

Ja, genau.“, war das einzige, was Rinoa dazu sagte. Ein bisschen schuldig fühlte sie sich doch, aber andererseits… Sie war glücklich, dass Squall nun auf dem Weg der Besserung war. Und schließlich hatte Quistis ja gesagt, dass sie es verstand, warum sich also Sorgen machen?

Und, wie war’s?“, fragte Quistis nun nach einer langen Pause. Warum fragen alle das? Ist das so interessant?, fragte sich Squall.

Wie war was?“, wollte Rinoa wissen.

Naja, der Kuss natürlich!“, stieß Quistis aus.

Rinoa seufzte erst verträumt, bevor sie antwortete: „Wunderschön! Er kann das wirklich gut. So als ob er viel Übung hätte. Wirklich viel!“, bekräftigte Rinoa ihre Aussage. „Und er hat ein bisschen mit mir getanzt!“

Was? So richtig?“, fragte Quistis entsetzt.

Nein, nur so hin und her. Aber das war total schön. Von drinnen lief die Musik, zu der wir auch damals beim Abschlussball getanzt haben. Es war total romantisch.“

Quistis lachte Rinoa unverändert entgegen, als diese verträumt zu den Sternen hinauf sah.

Ist was?“, fragte Rinoa irritiert.

Nein, nichts, erzähl ruhig weiter!“, forderte Quistis sie ruhig auf.

Ich hätte gar nicht gedacht, dass er sich das alles gemerkt hat, aber er wusste noch jedes einzelne Wort, das wir vor dem Tanzen gewechselt hatten. Naja, fast jedes. Er ist auf total niedliche Ideen gekommen, ich frag mich nur, woher das alles!?“ Sie runzelte die Stirn.

Das weiß ich auch nicht.“, fügte Quistis hinzu. „Und sonst so? Was hat er noch gesagt?“

Er hat gesagt, dass er mich bezaubernd und wunderhübsch findet. Es war schön, das aus seinem Mund zu hören. Und dabei hat er so einen hinreißenden Ausdruck in den Augen gehabt, und so niedlich gelächelt…!“, schwärmte Rinoa.

Kurz darauf seufzten beide, Rinoa und Squall, zur selben Zeit mit träumerischem Blick, was sie aber nicht wussten.

Hey, Squall!!!!“, schrie Irvine ohrenbetäubend laut ihm zu. Dabei klopfte er ihm so heftig auf die Schulter, dass dieser sofort längs auf den Boden fiel – und somit sehr gut sichtbar für Rinoa und Quistis dalag. Irvine rief weiter in fröhlichem Ton: „Du standst da gerade mit so schmachtendem Blick, was war denn los?“

Rinoa und Quistis schreckten auf und fuhren herum. Entsetzt rief Quistis: „Squall, was machst du denn da?“ Dann fragte Rinoa: „Hast du uns etwa belauscht?“

Squall hatte sich schon wieder aufgerappelt und klopfte sich den Staub von der Jacke, wo überhaupt keiner war. „Öhm, ja, äh… also ich… war gerade… ähm, ja, ich stand hier gerade und da ist mir dieser, dieser Riss in der Wand aufgefallen, und den hab ich grad untersucht, hab ich den!“

Irvine sah dann kurz auf die Stelle, wo Squall flüchtig hingezeigt hatte und sagte dann etwas leiser zu ihm: „Aber Squall, da ist doch gar kein…“ Sogleich trat Squall Irvine vor’s Schienenbein, und diesem entfuhr gleich darauf ein unterdrückter Schmerzensschrei.

Ähm, ja, was ich euch gerade fragen wollte: Mama, also Edea hat eben vorgeschlagen, dass wir sie morgen ja mal besuchen könnten.“, brachte Squall nun endlich heraus.

Quistis antwortete: „Ja, gerne. Wann denn, morgens gleich?“

Squall nickte kurz.

Okay, ich freu mich schon drauf!“ Winkend ging sie an Squall und Irvine vorbei. „Tschüss, bis morgen dann!“

Rinoa bewegte sich dann auch in Richtung Ausgang, warf Squall aber noch einen hämischen Blick zu und sagte dann ironisch zu ihm: „Und wir beide sprechen uns noch!“

Squall sah ihr nur verdutzt hinterher, worauf sich Irvine natürlich kein breites Grinsen verkneifen konnte.

Was denn?“, fragte Squall genervt.

Ach nichts, ich amüsier mich nur prächtig!“

Kapitel 3

Dein Glück liegt mir am Herzen
Warum findest du es nicht?
Um die Schmerzen auszumerzen
Brauchst du Licht in deiner Sicht

Dein Glück liegt mir am Herzen – Söhne Mannheims

Es war schon längst nach Mitternacht, und die Feier ging langsam dem Ende zu. Squall verabschiedete sich dann ganz knapp von Cid und Edea und verließ den Ballsaal (Anm. der Autorin: Weiß eigentlich irgendwer, wie man zum Ballsaal kommt?) Langsam schlenderte er noch durch den Garden und ging Richtung Quartiere. Bei Nacht war der Garden von innen sehr ansehnlich. Durch die Glasfenster in den Kuppeln schien das Licht der Sterne und des Mondes herein. Es spiegelte sich im Wasser unter den Gängen. Das leise Plätschern der Springbrunnen beruhigte Squall und sollte diesen Tag perfekt abschließen. Der Kuss mit Rinoa hatte den Abend zu einem der wichtigsten Tage in seinem Leben gemacht. Doch wer wusste zu der Zeit, was noch kommen mochte?

Also erreichte Squall dann die Quartiere. Er ging die Treppen hoch und navigierte sich dann durch die Zahlreichen Zimmer-Nummern zu dem mit der Nummer 41269 (wie seine SEED-Nummer). Er zog den rechten Handschuh aus und legte die Hand auf das Lesegerät. Ein kleines Bildchen leuchtete auf, das den Zugang gewährte. Er trat ein, und schon schloss sich die Tür auch wieder. Squall lies sich auf sein Sofa fallen und legte entspannt den Kopf zurück.

Dann entschloss er sich, den Fernseher anzumachen. Er zappte durch die Kanäle, doch nichts war wirklich interessant. Auf SEED-TV lief zum x-ten Male der SEED-Spot. Neue Helden braucht das Land. Ihr wollt auch einer werden? Kein Problem, dann schreibt euch noch heute am Garden ein. Die Eintritts-Kosten sind minimal, und wenn ihr erst einmal SEED seid, bekommt ihr sogar noch einen Sold! Legt die leicht zu bewältigende SEED-Prüfung ab und ihr erntet den ganzen Stolz eurer Familie und Freunde! Erledigt Aufträge in der ganzen Welt und habt Spaß ohne Ende, der Traum jedes Jugendlichen! Neugierig geworden? Dann trefft noch heute eure wichtigste Entscheidung eures Lebens und schreibt euch sofort an einem der drei Gardens genau in eurer Nähe ein* (Galbadia, Balamb, Trabia)!

Wir warten auf dich!

Kaum leserlich lief in einer atemberaubenden Geschwindigkeit am unteren Bildschirmrand ein Text neben dem kleinen Sternchen vorbei: SEED kann jeder normale Mensch zwischen 12 und 18 werden. Die weiteren Regeln und Gesetze können sie telefonisch unter 0 88 / 7 93 25 6 abfragen. (ein Service der GardenCom, beim ersten Anruf bezahlen sie läppische 50 Gil, jede weitere Minute kostet nur 20 Gil)

Squall betätigte den kleinen roten Knopf auf der Fernbedienung, stand auf und ging in Richtung Kühlschrank. Auf halbem Wege ertönte jedoch seine Klingel. (Was hier nicht gut darzustellen ist, ist die Klingelmelodie: Squall hatte sich eigens ein kleines Modul in die Klingel eingebaut, welches die kurze Melodie am Ende eines jeden Kampfes bei der Siegerpose nachspielt)

Wer kann das denn jetzt noch sein?, fragte sich Squall. Hoffentlich ist es nicht Xell! Oder Irvine. Oder Selphie.

Er ging zu der Tür und betätigte den Knopf, auf dem „Open“ stand. Vor seiner Tür stand ein junges Mädchen mit langen schwarzen Haaren und braunen Strähnen. Sie trug ein schwarzes Trägertop, einen dunkelblauen kurzen Rock und darunter eine knielange schwarze Hose. Sie hatte eine Art Mantel an, er war hellblau, ärmellos, doch an den Unterarmen trug das Mädchen „abgeschnittene“ Ärmel und er war vorne zum verknoten. Rinoa stand in Squalls Tür mit einem bemitleidenswertigem Lächeln. „Darf ich noch ein bisschen bleiben?“

Squall konnte ein schiefes Grinsen nicht unterdrücken und machte ihr dann Platz zum Eintreten. „Nur herein, Miss Heartilly!“

Sehr aufmerksam, Mister Leonhart!“, gab sie zurück. Bewundernd sah sie sich in Squalls SEED-Zimmer um. Sehr nobel, stellte sie fest. Auch sie hatte hier ein Zimmer bekommen (auch wenn sie kein SEED war), aber ihres war lange nicht so luxuriös. Wahrscheinlich war Squall nicht nur für sie etwas Besonderes.

Sie setzte sich langsam auf seine Couch, stützte sich auf dem Sitzrand ab und ließ ihre Beine baumeln. „Also, du wolltest mir doch noch etwas erzählen…!“

Squall verstand überhaupt nicht.

Rinoa verdrehte die Augen und stieß verärgert die Luft aus. „Wirklich nicht? Mensch, das auf dem Balkon, du Dummerchen!“

Achso, das. Was gibt es da zu erzählen?“, fragte Squall unschuldig.

Hältst du mich wirklich für so dumm? Ich hab doch bemerkt, wie du uns belauscht hast! Komm, gib’s wenigstens zu!“, forderte sie auf.

Da gibt’s nichts zuzugeben. Ich stand da einfach nur und hab eben zugehört, weghören kann ich nicht gut.“

Was hast du denn alles gehört?“, fragte das junge Mädchen interessiert.

Ähm, irgendwie so ab Das hätte ich selbst nie gedacht! Oder so.“

Aha.“ Nach einer kurzen Pause sprach sie weiter: „Bist du böse, dass ich Quistis von unserem Kuss erzählt habe?“ Sie sah ihn wieder mit unschuldigen Dackelaugen an, was Squall ein weiteres Lächeln entlockte.

……nicht wirklich.“ Rinoa kicherte kurz. „Aber immerhin ist es mir Irvine gegenüber auch rausgerutscht.“, sagte er beifällig.

WAS??? Irvine weiß es? Oh mein Gott, dann weiß es ja morgen der ganze Garden! Oh nein!“, wimmerte Rinoa.

Squall ging langsam auf Rinoa zu und hockte sich dann vor sie. Er strich ihr über den gesenkten Kopf und hob dann ihr Kinn an, sodass sie sich genau in die Augen sahen. „Das ist mir völlig egal. Das müsstest du doch wissen.“ Er schloss die Augen und hob Rinoas Kinn auf das seine, um ihr einen langen, romantischen Kuss zu geben.

Rinoa fiel aus allen Wolken. Sie fühlte sich, als ob sie von einer immensen Kraft umgeworfen wurde. Zum wiederholten Male wunderte sie sich, woher Squall das so gut konnte. Aber es musste ja nichts Wichtiges zu bedeuten haben. Sie genoss ihn einfach, diesen Kuss, den sie nie vergessen wollte, den sie für immer in Erinnerung behalten wollte.

Langsam löste Squall seine Lippen von ihren und erhob sich. Er drückte Rinoa sanft in Richtung Liegefläche der Couch und beugte sich dann über sie. Er lächelte sie wieder mit einem dieser hinreißenden Gesichtsausdrücke an.

Er sah, wenn er sich so über sie beugte, noch besser aus als überhaupt schon. Die Strähnen, die nun zu ihr hinunterhingen, berührten leicht ihre Wangen und ihre Stirn.

Und du, wolltest du nicht auch noch etwas sagen?“, fragte Squall überraschend.

Rinoa runzelte die Stirn. „Tut mir leid, was denn? Ich wüsste da wirklich nichts!“

Lass mich dir einen Tipp geben, es kam jemand dazwischen. Und dieser jemand kam auf vier Pfoten dazwischen!“

Rinoa schmunzelte. „Ja, du hast recht, da war doch was…“ Sie tat so, als ob sie überlegte. „Aber es will mir nicht mehr so recht einfallen. Ich glaub, ich brauch als Gedächtnisstütze noch einen Kuss.“ Mit ihrer linken Hand drückte sie leicht Squalls Kopf an seinem Nacken zu ihr herunter. Wieder küssten sie sich gefühlvoll. Dann legte Rinoa ihren Kopf wieder zurück auf das Sofa, schloss ihre Augen und testete den Geschmack ihrer Lippen. „Hmmmm….. immer noch nicht!“

Sie zog Squall wieder zu sich runter. Diesmal war der Kuss viel inniger. Ein großes Verlangen stieg in ihr auf. Auf einmal wurde ihr heiß. Sie konnte es nicht fassen, dass sie hier mit Squall lag und wild mit ihm rumknutschte. (Anm. der Autorin: Was ist das eigentlich für ein Wort, ‘knutschen’??)

Nach einiger Zeit beendete Squall dann den Kuss. Er ließ sich neben sie auf die breite Couch fallen und nahm sie in den Arm. Beide starrten zur Decke hinauf. Squall strich mit seinen Finger leicht über ihren nackten Oberarm.

Rinoa drehte ihren Kopf, um einen Blick auf die Uhr zu werfen. „Oh mein Gott!“ Schnell richtete sie sich auf. „Es ist ja schon total spät. Ich hab die Zeit ganz vergessen.“ Squall lächelte sie an. „Ich glaub, ich werd dann mal so langsam ins Bett gehen. Wenn wir morgen zu Edea wollen, kann ich da ja nicht so verschlafen antreten.“ Sie rückte kurz ihre Kleidung zurecht und bewegte sich auf den Ausgang zu. Squall stand auf und begleitete sie. Er öffnete ihr die Tür und lehnte sich dann noch an den Türrahmen. Rinoa drehte sich noch kurz um und betrachtete Squall. Ein Traumtyp! „Naja, dann gute Nacht, mein Hexen-Ritter!“

Gute Nacht, Prinzessin!“, erwiderte Squall, zog sie an ihrer Taille heran und gab ihr lachend noch einen letzten Kuss. Dann verabschiedete Rinoa sich endgültig und verließ den Gang.

Squall schaute ihr noch lange, nachdem sie um die Ecke gebogen war, hinterher. Er konnte es kaum fassen. Er hatte das Gefühl, als ob tausend Schmetterlinge in seinem Bauch herumflatterten. Squall hatte sich verliebt.

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Über Aeris

Ich bin die Aeris, Autorin von Ramen-chan, und begeisterter Naruto-Fan! :)

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