The Dark Tower – Fan Fiction

Dies ist eine meiner Fan-Fictions zu Stephen Kings Romanreihe „Der Dunkle Turm“. Sie stellt ein alternatives Ende dar.


Koda – Gefunden

1

Er packte den Türknopf. In das Metall war eine Wildrose eingraviert, die sich um einen Revolver wand, einen großen Sechsschüsser, die er von seinem Vater geerbt und nun auf ewig verloren hatte.
Trotzdem werden sie wieder dir gehören, flüsterte die Stimme des Turms und die Stimme der Rosen, die jetzt eins waren.
Wie meint ihr das?
Darauf bekam er keine Antwort, aber der Knopf unter seiner Hand drehte sich, und vielleicht war das eine Antwort. Roland öffnete die Tür zu dem Raum im Obergeschoss des Dunklen Turms.
Er sah und begriff sofort, was er sah; dieses Wissen traf ihn wie ein Hammerschlag, heiß wie die Sonne jener Wüste, die die Mutter aller Wüsten war.
Roland wollte gerade zu einem markerschütternden Schrei ansetzen
(„O nein!“, schrie er entsetzt. „Bitte nicht wieder! Habt Erbarmen! Gnade!“)
als er bemerkte, dass das gleißend helle Licht, das ihn blendete, erlosch. Er nahm seine linke Unversehrte, die er zum Schutz vor dem Licht vor seine Augen gehalten hatte, herunter, um diesen einen finalen Blick in das Zimmer im obersten Geschoss des Turms zu werfen. Doch gleichzeitig bemerkte er, dass er endlich erlöst war.
Endlich.
Er spürte keine Hände, die ihn brutal in den Raum, in das Licht, zurück in die Mohainewüste ziehen wollten, er spürte nur, wie er sanft nach vorne geleitet wurde.
Tritt ein, Roland von Gilead, du aus der Linie des Eld.
Roland wagte es kaum, einen Schritt in dieses Zimmer zu tun, aber er konnte nicht widerstehen. Und nun sah er auch, was bis jetzt seinen Blick auf sich gezogen hatte.
In diesem kleinen Zimmer befand sich gegenüber der Tür eine große Maschine. Sie reichte fast bis zu Decke und ratterte unaufhörlich, mit einem gleichmäßigen Antrieb und einer gleichmäßigen Geschwindigkeit. Roland sah keine normalen Maschinenteile an diesem Rad, das sich dort in der Luft dicht über dem Boden drehte, sondern nur ein goldenes, leicht abgenutztes Rad, mit verzierten Speichen.
Das Rad des Ka drehte sich im Obergeschoss des Dunklen Turms.
Roland wusste sofort, dass er nicht probieren musste, es anzuhalten oder gar zu berühren, es würde sowieso nicht funktionieren. Woher er das wusste? Das konnte er nicht sagen. Und dieses Wissen war, wie so oft, das Beste.
Bist du bereit, Revolvermann?, fragte die Stimme Gans ihn. Bist du bereit, zu fallen? Dich fallen zu lassen, um nie mehr aufzustehen?
„Ja, das bin ich. So wahr ich hier stehe.“, antwortete Roland.
Ja, in der Tat. Du warst wahrhaftig und standhaft. Nun gibt es nichts mehr, wonach du streben musst.
Roland trat in die Mitte des Raumes und legte seine rechte, verstümmelte Hand auf sein Herz. Er stand mit festem Fuß auf dem Boden, vor dem Rad des Ka, welches sich so unablässig so viele Male für ihn gedreht hatte, und er sah es nur noch einmal an.
Dann schloss Roland die Augen.
Von diesem Zeitpunkt an war es nicht mehr so, als ob er in seinem Körper sei. Es fühlte sich so an, als ob Roland Deschain jetzt nur noch aus Gedanken bestand und keinen Körper mehr hatte, über den er mächtig war.
Deswegen fühlte es sich auch nicht komisch an, als er fiel.
Überall wo er hinsah: nur Leere und Schwärze.
Aber es war nicht das Flitzerdunkel, das wusste Roland.
Er fiel und fiel und fiel, bis er spürte, dass er von etwas aufgefangen wurde. Sanft und weich fiel er hinab in einem kleinen Weidenwäldchen.
Er stand auf, sah sich um, und alles war mit einem sanften Glimmern belegt. Alles war verschwommen, wie im Traum, nur eins, das täuschte ihn nicht, und das war Susan.
Das liebreizende Mädchen am Fenster, das nun hier stand, vor ihm, schön wie noch nie zuvor. Sie sagte kein einziges Wort, als sie zu ihm kam, ihre Arme um seinen Hals legte und ihn innig küsste, Roland konnte nur ihre Stimme in seinem Kopf hören, und sie sagte:
„Roland, ich liebe ihn.“
Zusammen ließen die Liebenden sich zurück in das Weidenwäldchen fallen und schlossen die Augen.
Roland war sich sicher, dass er nun auch seinen Vater, Stephen Deschain und seine Mutter, Gabrielle Deschain sehen könnte, wenn er die Augen wieder öffnete. Auch Cuthbert, Alain und Cort würden da sein. Aber Roland wollte die Augen nicht mehr öffnen. Er war müde und alt, und er wollte Ruhen.
Endlich Ruhe.
Endlich.
Nun werden auch Eddie und Susannah ruhen können.
Und Jake, der einzige Sohn, den ich je hatte. Er wird mit Oy glücklich sein.
Sie alle werden glücklich sein.
Sage Euch meinen Dank.
Der Mann in Schwarz floh nicht durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm nicht. Es gab nun niemanden mehr, dem der Revolvermann folgen musste. Und es gab nichts mehr, das er erreichen musste.
Die Welt hörte auf, sich weiterzubewegen.


2

Nicht durch Zufall wachten Susannah, Jake und Eddie Toren (und Oy) alle gleichzeitig auf, als sie im Traum – oder war es vielleicht gar kein Traum? – einen ganz besonderen Ton vernahmen. Sie alle wurden geweckt von dem lieblichen, durchdringenden Laut des erklingenden Horn des Eld. Es war, als ob mit dem Erklingen von allen der allseits bekannte Stein vom Herzen fiel. Es war aber nicht solch ein Stein wie der, der von Eddie fiel, als er seine Zeit als Junkie überwunden hatte; nicht solch ein Stein wie der, der von Susannah fiel, als sie von Detta, Odetta, Mia und Mordred befreit war; nicht solch ein Stein, als Jake von seinem inneren Zweifel befreit wurde, dass er eigentlich schon gestorben sei; nein, er war größer als all diese Lasten zusammen und die Befreiung war etwas Endgültiges.
Jake lief zu Eddie und Susannah ans Bett und weckte sie auf. „Kommt, wir müssen, es ist soweit!“ Oy folgte ihm natürlich.
Die Vier standen gemeinsam auf und gingen zur Schlafzimmertür.
„Jake Schätzchen, würdest du sie für uns öffnen?“, fragte Susannah, welche von Eddie auf dem Arm gehalten wurde.
Jake nickte nur als Bestätigung. Und so griff er mit seiner Hand nach dem Türknopf und versuchte, mit seiner Gabe Fühlung zu Roland aufzunehmen. Er dachte nur an Roland, seinen wahren Vater.
Die Tür öffnete sich.
Die drei neuen Revolvermänner spürten auch, wie das Ka sich von ihnen erhob, und sie verließ. In Mittwelt war dieser Schleier immer da gewesen, und nun konnten sie fühlen, wie das Ka sie verließ, um sie endlich in Frieden zu lassen.
Hinter der Tür erblickten sie das Rosenfeld, das Can’-Ka No Rey, und in der Mitte stand der Dunkle Turm.
Erlösung brach über die Vier herein. Nun hatten auch sie den Turm gefunden, und sie wussten, dass es nicht nötig war, ihn zu betreten. Ihn gesehen zu haben, reichte vollkommen.
Und dann ertönte noch einmal das Horn des Eld, geblasen von den Rosen in einem mächtigen Chor, die Stimme des Weißen.
Es überraschte Eddie, Susannah, Jake und Oy nicht, als sie sich von ihren eigenen Körpern lösten und förmlich spürten, wie sie davon flogen und ihre Körper zurückließen.
Endlich Ruhe.
Endlich Frieden.
Mit diesen Gedanken waren sie mit Roland vereint, und das war das einzige, was zählte, hier am Ende des Dunklen Turms.


3

Ka.

19.02.2005

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Über Aeris

Ich bin die Aeris, Autorin von Ramen-chan, und begeisterter Naruto-Fan! :)

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